Alle Menschen kennen das Gefühl – die Ohnmacht, die man spürt, wenn man sich gegen eine schwierige Situation nicht wehren kann. Jeder Mensch hat schon mal eine Situation erlebt, in der er oder sie sich die Frage stellte: “Warum hat mir niemand geholfen?” 
Oft sehen wir aber auch selbst weg, wenn sich andere in schwierigen Situationen befinden, ungerecht behandelt werden und wir damit scheinbar nichts zu tun haben. Doch mit jedem Verhalten setzen wir ein Statement, auch wenn wir glauben, uns gar nicht zu äußern oder neutral zu sein. Damit tragen wir alle Verantwortung für die Gesellschaft, in der wir uns jeden Tag bewegen.

Auch der Begriff “Solidarität” ist bestimmt Allen schon begegnet, er wird gerne und häufig in Parolen, Reden und Aufrufen als Schlagwort eingesetzt.
Doch was bedeutet dieser Begriff, wie können wir ihn erleben?
Für viele Menschen steht “Solidarität” nur noch für finanzielle Zuwendungen. Aber es geht um viel mehr: darum, dass wir uns organisieren und all unsere Ressourcen – egal ob Geld, Zeit, Mut, Ideen – zusammenlegen, um gemeinsam Ziele zu erreichen, die uns allein zu groß erscheinen.
Ein Beispiel für gelebte Solidarität ist für uns die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert. Menschen haben sich damals solidarisch zusammengeschlossen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. 
Du fragst dich, was du heute mit der Arbeiter_innenbewegung im 19. Jahrhundert zu tun hast? Eine Menge! Du profitierst in deinem Leben von den Errungenschaften dieser Kämpfe, z.B. die Fünf-Tage-Woche, der Acht-Stunden-Tag oder die Lohnfortzahlung bei Krankheit. All diese Zugeständnisse an die Arbeiter_Innen konnten nur durch entschlossene, gemeinsam kämpfende Menschen errungen werden.

Wir sind der Überzeugung, dass wir uns auf diesen Errungenschaften nicht ausruhen dürfen. In einer Zeit, in der die Menschenrechte massiv angegriffen werden und beständig versucht wird, die einzelnen Menschen gegeneinander auszuspielen, müssen wir uns mehr denn je zusammentun. Solidarität benötigt Vernetzung, um zu wirken.
Allerdings darf es nicht nur darum gehen, Rückschritte zu bekämpfen. Wir wollen weitere Freiheiten erreichen, um dem Ziel einer freien Gesellschaft näher zu kommen.

Unsere Solidarität findet auf Augenhöhe statt und unterscheidet nicht zwischen Hautfarbe oder Geschlecht. Sie kennt keine Staatsgrenzen, sie orientiert sich am Ziel einer freien Gesellschaft – frei von Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung. 
Deshalb erklären wir uns mit Allen solidarisch, die dieses Ziel mit uns teilen. Mit denen, die fliehen und auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Mit den Menschen, die aufgrund ihrer Individualität in ihrem Leben von der Gesellschaft behindert werden. Unsere Solidarität gilt auch all denen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft diskriminiert und unterdrückt werden.

Die meisten Probleme der Gesellschaft entstehen durch das System, in dem wir leben. Es geht vor allem um die Verwertung von Mensch, Natur und Umwelt, um soviel Kapital wie möglich zu erwirtschaften. In diesem System haben wir alle einen Platz – wir treiben gemeinsam mit unserem Handeln oder nicht-Handeln dieses Laufrad an. Alleine ist es schwer, sich dagegen zu wehren, da unsere Mittel begrenzt sind. Doch wenn wir uns zusammentun und gemeinsam für unsere Ziele kämpfen, können wir viel mehr erreichen.
Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam sind wir laut!
Solidarität beginnt bei jedem Einzelnen. Zeige dich solidarisch mit deinen Nachbarn und den Menschen um dich herum. 
Was wollt ihr erreichen, wie könnt ihr euch gemeinsam organisieren?